Ein Wiedersehen voller Stolz und großer Freude
Nur noch wenige Minuten sind es bis zum Kinderheim. Das Tuk-Tuk holpert über die Lehmstraße, gespannt bin ich auf die realisierten Veränderungen an und in den Zimmern der Kinder. Ist es gelungen, die Wohnqualität für alle zu verbessern? Insgesamt haben die Friedenskinder dafür 3500 $ zur Verfügung gestellt.
Wie immer ist der Empfang sehr herzlich. Unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus Kim Klug, Mitglied im Vorstand, unseren Ehepartnern und Wolfgang Peter, einem langjährigen Freund der Friedenskinder – wir alle werden sofort umringt und in Gespräche verwickelt. Stolz zeigt man uns die Umbauten und Renovierungen. Auf der rechten Seite sind aus den ehemaligen zwei Unterrichtsräumen zwei große Wohnräume geworden mit Dusche und Toilette.
Vor den 9 Zimmern der Kinder erstreckt sich nun über die ganze Breite ein 5,50 m tiefes Vordach – ein schattiger Vorplatz für Versammlungen, gemeinsames Essen und für eine Schulklasse am Nachmittag. Das ist auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär, aber in seiner Binnenwirkung außerordentlich folgenreich. Denn nun teilen sich nur jeweils 3 Kinder ein Zimmer, nicht wie früher in manchen Zimmern 4 – 6 Kinder, und vor allem sind alle Zimmer mit neuen Bettgestellen aus Holz, neuen Matratzen und kleinen Schränken ausgestattet, in denen die Kinder ihre Utensilien aufbewahren können.
Chum, der Leiter des Heims – ein ehemaliger buddhistischer Mönch – zeigt mir später stolz eine Liste aller Kinder mit ihren jeweiligen Schulen. Von aktuell insgesamt 27 Kindern gehen 6 Kinder in die Primary School, 12 in die Secondary School und 4 zur High School; ein Jugendlicher wartet auf den Start ins Jura-Studium. Zusätzlich werden noch 4 Kinder unter anderem aus dem benachbarten Slum unterstützt; drei von ihnen gehen zur High School, eines zur Secondary School. Die anderen Kinder sind noch nicht im Schulalter. Das ist keineswegs der Normalfall in Kambodscha; viele brechen bereits in der Primary School den Unterrichtsbesuch ab.Unsere Kinder sind Voll- oder Halbwaisen, einige von ihnen soziale Waisen, deren Eltern auf Arbeitssuche in Thailand oder in den arabischen Emiraten sind. Sie stammen aus verarmten Verhältnissen, sind z. T. bei den Großeltern aufgewachsen. Keines von ihnen hätte die Chance auf einen weiterführenden Bildungsweg gehabt. Genau das ist es, was die Kinder mir gegenüber immer wieder betonen – ohne das Heim wäre ein Schulbesuch über die Primary School hinaus nicht möglich. Im Laufe unserer Anwesenheit spreche ich auch mit Ehemaligen aus dem Heim; auch sie sind den Friedenskindern und dem Leiter Chum außerordentlich dankbar. Eine von ihnen, sie heißt Leaksana, hat einen Studienabschluss in Agronomie gemacht und arbeitet nun in einer Firma, die Weiterbildung für Bauern betreibt. In den letzten Monaten ist sie täglich für eine Stunde ins Heim gekommen, um Englisch zu unterrichten. Es ist ihre Form der Dankbarkeit. Jedes schulpflichtige Kind erhält an den Werktagen 1 Stunde Englisch, um für den Arbeitsmarkt gerüstet zu sein. Denn das heim liegt in Siem Reap, einer Hochburg des Tourismus mit über 2 Millionen Touristen im Jahr.
Aus unserer Gruppe kommt der Vorschlag, alle Zimmer am Wochenende zu streichen. Ich gebe Chum das Geld für die Farbe. Doch die Kinder wollen lieber Tapeten; als unsere Gruppe zum Streichen erscheint, sind alle Zimmer bereits nach den Vorstellungen der Kinder tapeziert. Ich bin mit dem Erreichten wirklich zufrieden. Die Wohnqualität der Kinder konnte deutlich verbessert werden, sie wachsen geschützt in einer warmherzigen Umgebung auf und ihre Bildungspotentiale kommen zur Geltung.
Für unseren letzten gemeinsamen Tag wünschen sich die Kinder ein gemeinsames Essen in einer der beliebten BBQ-Hallen: Seafood und lokaler Fisch nebst reichlich Gemüse, ihr Lieblingsessen. Ich kenne diese gemeinsamen Essen: Uns alle erwarten üppig gefüllte Tische und vor allem strahlende Gesichter.
(Norbert Neumann)



