Fürsorge und Bildung in Kambodscha
Nur fünf Kilometer von unserem Kinderheim entfernt liegt Angkor Wat - eine der bedeutendsten Tempelanlagen des im Dschungel versunkenen Khmer-Königreichs. Zwischen 800 und 1300 war es das Herz des mächtigen und hoch zivilisierten Khmer-Reiches, bewundert wegen seiner prachtvollen Tempel und seiner imposanten zivilisatorischen Leistungen. Jährlich kommen 2 Millionen Touristen nach Siem Reap - so heißt die Stadt heute. Hier am Stadtrand liegt auch das Kinderheim, das der Friedenskinder e. V. nahezu vollständig finanziert. Es gibt hierviele solcher Kinderheime. Sie sind die Kehrseite des blühenden Tourismus. Denn viele Kambodschaner kommen nach Siem Reap in der Hoffnung, Arbeit im Tourismus zu finden. Tatsächlich aber landen viele von ihnen in Slums; auch neben unserem Kinderheim leben 300 Familien in einem solchen Slum.
Kambodscha zählt heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Noch immer lasten die Folgen jahrzehntelanger Kriege auf dem Land. Unter der Herrschaft der „Roten Khmer“ sind in den 70er Jahren 2 Millionen Menschen ums Leben gekommen. Trotz der Bildungsambitionen vieler Menschen in Kambodscha ist es bis heute nicht gelungen, ein für alle verbindliches Schulsystem wieder aufzubauen. Die Hauptleidtragenden sind wie so oft die Kinder. Daher unterstützen Friedenskinder seit 2012 ein Kinderheim in einem Slumgebiet der Stadt Siem Reap.
Dreißig Kinder kann Chumneanh, der Leiter des Heims aufnehmen. Es sind verarmte Kinder, Voll- und Halbwaisen, auch soziale Waisen, deren Eltern auf der Suche nach Arbeit weitergezogen sind nach Thailand oder in die arabischen Emirate. Chumneanh war 13 Jahr lang Mönch in einem buddhistischen Kloster. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Dahlin betreut er die Kinder. Zu spüren ist eine Atmosphäre der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft; vor allem bietet der Ort Schutz vor den Machenschaften der Kinderprostitution. Siem Reap ist in den letzten Jahren zu einem Hotspot der Pädophilie geworden. Beeindruckend ist die Gradlinigkeit, mit der die Ziele des Projekts verfolgt werden: Allen Kindern wird ein geschützter Ort für ihr Aufwachsen geboten, und zugleich wird ihnen der Zugang zu einer möglichst guten Schulbildung eröffnet. Wer die Primary School abgeschlossen hat, besucht anschließend die Secondary School, manche dann auch die High School. Inzwischen hat eine Reihe von Ehemaligen erfolgreich ein Hochschulstudium absolviert. An jedem Werktag findet im Heim ein zusätzlicher Englischunterricht statt. Jedes schulpflichtige Heimkind nimmt daran teil, aus dem benachbarten Slum kommen noch einmal ca. 20 Kinder dazu. Wer über Englischkenntnisse verfügt, verbessert seine Chancen auf einen Arbeits- oder Studienplatz, und dies vor allem in den touristischen Zentren Kambodschas.
(Norbert Neumann)


