Reisebericht Vietnam 2015

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Ein Reisebericht von Rolf Biniek (12.-25. März 2015)

12.3.15 Abflug:  Mein Sohn Max bringt mich nach Siegburg, dann geht es in den überfüllten ICE und in Frankfurt muss ich mich erst nach Terminal 2 durchkämpfen (da gibt es ja eine eigene Schwebebahn). Der Flieger geht mit ca 30 Minuten Verspätung los. Bin so etwas über das Publikum überrascht. Neben vielen Vietnamesen auf Heimurlaub oder Rückkehr und den jugendlichen Backpackern gibt es doch jetzt das Klientel 70+, das auf eine organisierte Rundreise nach Vietnam fährt. Also Leute, keine Ausrede mehr, es geht auch mit Rollator…

Der Flug ist mit 12 Stunden eigentlich sehr angenehm, mit dem Start um ca. 14:00 habe ich trotz Schlaftablette meine Schwierigkeiten, in den Schlaf zu kommen und um 1:00 morgens ist dann man dann auch schon da. Das ist nur nach Ortszeit dann 7:00 morgens, der Flieger ist verspätet los und hat dann auch noch was gebummelt. Also ist aus 1: 15 Übergang zum Flieger nach Vinh nur 30 Minuten geworden und bis man das Gepäck hat und durch die Einwanderung durch ist, dann ist der Flieger weg. Insgesamt kein Problem, die vietnamesische Airline ist kulant und bucht auf 16:30 um. Leider ist auch der erweiterte Flughafen in Hanoi (es gibt ein neues Terminal für internationale Flüge und das alte neue ist nur noch für Inlandsflüge) ziemlich öde und ich schlafe auf den unbequemen Stühlen ein und falle dann immer um.

Naja mit etwas Verspätung geht es dann mit dem relativ großem Airbus nach Vinh und nach einigen Beschwerden des Kapitäns über diesen Flughafen hier landen wir sogar in ein wenig Nebel. Dort angekommen erwarten mich schon Kim und Günther sowie Li und Sr. Tang (die Stellvertretung, weil Leitung krank) und wir fahren zum Heim.

Dort ist die Stimmung gut, ich zähle 27 Kinder in drei Räumen und die Kinder sehen beim ersten Eindruck gut aus, Gemeinsames Abendessen mit den Nonnen und es fällt eine sehr positive Grundstimmung auf.

Kim, Günther und ich fahren ins Hotel Hai in der Nähe, planen die nächsten Tage und dann falle ich ins Bett.

14.3.15  7:30 aufstehen, kalt duschen und um 8:00 gibt es Spiegeleier mit Baguette und Cafe sure. Es folgt die medizinische Untersuchung der Hotelfamilie incl. der 98-jährigen Großmutter, die mit grauem Star und den Plastikstuhl als Rollator über das Gelände schiebend sich darüber beschwert, dass sie schlechter lesen könnte und vor kurzem einmal gefallen sei, was ihr nicht gefällt.

Dann holt uns das Taxi ab und um 9:00 sind wir im Heim. Bin als erstes überrascht, dass 4 Schwestern dabei sind, die Kinder durch zu bewegen, was für meine Augen gar nicht so schlecht aus sah. Habe ein paar Videos gemacht, mal sehen, was unsere Physiotherapeutin Anika davon hält.

Dann habe ich unsere alten Karteikarten gesucht, gefunden und habe die Kinder untersucht. Dabei hat mich einer der Schwestern, für die wir 8 Monate Sprachkurs bezahlt haben, begleitet und versucht zu dolmetschen. Das ging sogar relativ gut, habe den ganzen Tag über Kim nur 2 mal für kompliziertere Fragestellungen gebraucht.

Fazit:

  1. Der Hautzustand der Kinder, die schon länger da sind, ist wirklich sehr gut geworden. Selbst die von Franz-Josef und mir 2013 dokumentierten Hautprobleme sind nicht mehr vorhanden. Hautprobleme haben nur die Kinder, die neu sind (im Heim seit 2014 und später).
  2. Das Spielzimmer im Obergeschoss ist zwei mal am Tag im Einsatz (Ob das nur Show für uns ist, kann ich nicht beurteilen, wirkte aber nicht so…).
  3. Antiepileptika werden weiterhin trotz hoher Anfallsfrequenz nicht gegeben.
  4. Die Kontrakturen sind nicht schlimmer geworden und einige der neuen Kinder hatten gar keine Kontrakturen.
  5. Eine Mobilisation der schwerst Behinderten findet weiter nicht statt.
  6. Der Ernährungszustand ist relativ gut und Zahnfleischbluten habe ich nicht gesehen.
  7. Aktuell sind 27 Kinder im Heim, 4 beurlaubt.
  8. Über die letzten 6 Jahre sind 15 nach Hause oder in Pflegefamilie entlassen und 7 verstorben.

Weiterhin habe ich nach Sr. Hoa und ihrem Knie gesehen. Sie trägt jetzt eine leichtere Stütze, die mit 4 Klettverschlüssen an dem schmalen Bein fixiert werden und dem Knie etwas mehr Stabilität bei Wegknicken nach hinten bei Belastung verleiht. Das sieht zwar immer noch abenteuerlich aus und sie hat noch Schmerzen. Sie braucht bzw. nimmt aber keine Schmerzmittel und macht ihren normalen Job im Heim. Damit bin ich jetzt erst einmal zufrieden.

Die Nonnen kochen wieder sehr lecker und loben mich für meinen tapferen Umgang mit den Stäbchen, meinen aber ich würde abnehmen, wenn ich weiterhin so lange brauchen würde. Die Sauerampfersuppe war mir dann aber doch etwas zu sauer, das frische Gemüse ist unverändert köstlich!!!!

Gegen 19:00 fahren wir zurück. Vorher muss ich aber noch entscheiden, ob der 6-jährige Sohn des Bruders des Taxifahres mit Fieber und Bauchschmerzen rechts unten irgendwie krank ist. Das war mir dann doch zu wenig neurologisch und ohne Berufserlaubnis in Vietnam wollte ich mir nun doch keine Fehldiagnose erlauben und wir haben die Familie noch ins Krankenhaus gebracht. Wir werden morgen hören, was draus geworden ist. Günther und ich haben unseren Flüssigkeitshaushalt mit etwas Bier wieder ins Gleichgewicht gebracht. Morgen geht es um 8:30 wieder weiter.

15.3.15  7:15 aufstehen, kalt duschen (Sonne scheint nicht, also kein warmes Wasser), 8:00 Frühstück mit leckeres Suppe und Cafe Sure. 8:30 kommt der Taxifahrer, der Junge von gestern Abend ist wegen Verdacht auf Blinddarmentzündung im Krankenhaus zur Beobachtung geblieben.

Wir fahren ins Heim und packen die Heimleitung (Sr. …) mit ein und fahren nach Hating, etwa 20 km südlich von Vinh, wo wir unangemeldet in einer Institution aufschlagen, die Kim über Ihre Beziehungen ausfindig gemacht hat.  Wir werden trotzdem freundlich empfangen und es ergibt sich folgendes Bild:

Hier hat ein anderer katholischer Orden ein anderes Modell aufgezogen. Der Orden hat sich als Ziel gesetzt, eine Schule für Behinderte aufzumachen, hat Ordensschwestern als Pädagogen auf Masterniveau ausbilden lassen und dann den Antrag auf Anerkennung als staatliche Schule gestellt und erhalten. Derzeit werden etwa 80 behinderte Kinder unterrichtet, die zum größten Teil aus den näheren Umgebung kommen und dort nur tagsüber betreut werden. Für etwa 40 Kinder ist der Weg zu weit und diese Kinder wohnen während der Woche von Montag bis Freitag in Gastfamilien im Ort und werden im Zentrum beschult.

Der Schulunterricht findet in 4 Klassen mit unterschiedlichem Behinderungsgrad statt und für die schwerst Behinderten wird überwiegend motorische Übungen, Sprach- und Hörtraining angeboten. Eine Ordensschwester berichtet stolz, dass sie in den letzten Jahren 4 Kinder wieder ans Laufen bekommen habe. Danach kommen abgestufte Klassen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Alle Lehrer haben ein Studium der Pädagogik auf Masterniveau und werden normal bezahlt.

Weil wir an einem Sonntag aufschlagen, ist im Augenblick kein Kind in der Schule. Wir besichtigen die Räumlichkeiten, die sehr sauber, aufgeräumt und besser gepflegt wirken.

Beim Suchen nach dem Zentrum waren wir vorher bei einem großen Neubau und die dortigen Schwestern berichten über den im Bau befindlichen Neubau für 140 Kinder und zeigen uns stolz die Anzeigen für neu einzustellenden Lehrer mit Festgehalt pro Monat.

Die Finanzierung der Schule ist uns völlig unklar, es gibt keine Unterstützung durch den Staat. Die Familien müssten so was wie Schulgeld zahlen, aber nicht die Armen. Hmmm……

Weiter stellt sich heraus, dass der dortige Orden plant, nicht mehr seine Nonnen nach Saigon zu schicken, sondern Ausbilder für Sonderpädogik nach Vinh zu holen, um dort eine Ausbildung anzubieten und fragt nach unserem Interesse, dort Leute ausbilden zu lassen. Start der Ausbildung aber frühestens 2016 und es liegt noch keine Genehmigung o.ä. .

Mit dem Versprechen uns zu melden fahren wir wieder ins Heim zurück, Mittagessen und Nachdenken. Kim macht Mittagsschlaf, die ist von dem Taxifahrer beinahe tot gequatscht worden und braucht eine Pause.

Meine Dolmetscherin von gestern wartet schon wieder auf mich und möchte unbedingt Englisch reden, was aber außerhalb der standardisierten Untersuchungssituation schon deutlich schwieriger ist. Auf der anderen Seite hat sie schon mehr Ahnung von englischer Grammatik als ich noch zu Abiturzeiten je hatte.  Ich schaue noch mal nach den Kindern und in dem Augenblick wird das Heim von einer Schulklasse gestürmt, die aber aller selber mit dem Mofa selber kommen. Da scheint eine regelmäßige Veranstaltung von katholischen Schulen aus der Umgebung zu sein, um behinderte Menschen kennenzulernen und die Schüler müssen dann auch beim Füttern helfen. Ich versuche den Schülern etwas die Kontaktängste zu nehmen, merke aber schnell, dass ein gemeinsames Foto mit mir viel interessanter als die behinderten Kinder ist und ziehe mich zurück. Eigentlich eine eine schöne Idee.

Gegen 17:00 sind wir von der Familie Quang eingeladen. Quang unterstützt das Heim bzw. Kim als Controller und hilft auch sonst ganz viel. Ein sehr harmonisches Abendessen mit dem Ehepaar und dem 17-jährigen Sohn. Quang bedankt sich sehr für die übergebene Geldsumme, die wir als Dank und Anerkennung für seine vielen Einsätze für das Heim übergeben.

Morgen früh sind wir wieder im Heim und schauen nach Renovierungsbedarf, der eindeutig da ist. Dann geht es Abends auch schon wieder nach Hanoi.

16.3.15   7:00 aufstehen, kalt duschen, Koffer packen, um 8:00 frühstücken, Hotel bezahlen (ca 100 Euro für zwei Zimmer, 3 Tage, Frühstück und ein paar Büchsen Bier). Sind um 10:00 erst im Heim, da der Taxifahrer bei einem Unfall nicht vorbeikommt.

Ich mache dort einige Videos, dann einen Bettenbelegungsplan. Bei der Gelegenheit finde ich noch 4 weitere Kinder, somit sind wir jetzt bei 31 Kinder und 4 zur Zeit noch auf Familienurlaub.

Es folgt eine relativ dramatische Szene:

Einer der Behinderten ist eine schon 26-jährige Frau, die der neuen Heimleitung gefolgt war. Die Frau hatte ich am Tag vorher schon untersucht: kein neurologisches Defizit, aber Orientierungsstörungen. Die Schwestern berichten über „Anfälle“, aber sie würde die Medikamente nicht mehr nehmen. Die Frau kann einigen Bocken Englisch und relativ gut singen. Steht aber sonst häufig relativ ziel- und planlos in der Gegend rum. Ich hatte insgesamt eher den Eindruck eines Anfallsleiden bei geistiger Behinderung, mich machten die guten Teilleistungen  aber stutzig. Gegen 11:0 fährt ein größerer Wagen vor, die Frau wird geschnappt, die Hände zusammengebunden und unter heftiger Gegenwehr ins das Auto gesteckt. Die Schwestern erklären mir dann, dass das die Familie sei und die hätte beschlossen, dass die Frau jetzt in eine Klinik müsste, da würde sie jetzt behandelt und wenn alles gut würde, könnte sie wieder kommen. Das war also eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik nach vietnamesischen Muster. Wir sind alle ziemlich bedrückt, Günther und ich haben uns in der Situation aber rausgehalten, gegen den Wunsch der Familie wollten wir hier nicht aktiv werden und anscheinend war das ja mit dem Heim abgesprochen. Beim nächsten Besuch werde ich die psychiatrische Klinik in Vinh besuchen.

Nach dem leckeren Mittagessen gebe ich englischen Unterricht, meine eigenen Kinder werden mich steinigen, denen bin ich doch immer peinlich, wenn ich Englisch rede. Aber ich muss sagen, das Mädel hat nach 8 Monaten schon viele Vokabeln drauf.

Ich spiele nach was mit den Kindern und dann kommt auch schon der lange Abschied, es war ein kleiner Bus gemietet worden, damit viele Schwestern uns dort am Flughafen verabschieden können. Dort wieder langer Abschied und viele Worte und viele Fotos.

Gegen 18:30 Boarding, sind dann gegen 19:15 in Hanoi gelandet und gegen 21:00 im Hotel, gehen noch kurz da was essen und fallen in die Betten. Es gibt echt hier einen Fußball-Fernsehkanal mit festem Programmteil Bundesliga, daher kennen die Vietnamesen also Deutschland.

17.3.15  Treffen uns um 8:30 zum Frühstück, dann hat sich die befreundete Rechtsanwältin von Kim und Günther für 9:30 angemeldet. Noc kommt aber erst gegen 10:30 weil der Reifen des Mopeds platt ist. Mit Ihrer Hilfe planen wir die nächsten Tage. Heute Besuch von zwei sozialen Projekten, morgen ein Tag Pause für Stadtbesichtigung, am Donnerstag besuchen wir morgens das Dorf der Freundschaft und ich nehme dann Donnerstag Abend den Zug nach Danang, um in Hoi An in aller Ruhe shoppen gehen zu können.

Gegen 11:45 kommt der Fahrer, der uns für den ganzen Tag zur Verfügung steht. Dann geht es ins erste Heim, einem katholischen Heim für Behinderte. Das Heim ist etwa 30 km von Hanoi entfernt in Tinh Bac Ninh und wir brauchen fast 2 Stunden, bis wir es nach vielen Nachfragen dann auch gefunden haben. Großes Grundstück und freundliche Atmosphäre, sofort ist trotz unseres unangemeldeten Besuches die Heimleitung, Sr. Nguyen Thi Hai zur Stelle und empfängt uns auf sehr angenehme, ruhige Weise.

Sie berichtet folgendes über das Heim:

30 Kinder, davon 10 Kinder die alleine laufen können, die übrigen seien entweder bettlägerig, oder auf fremde Hilfe angewiesen, zur Zeit seien wegen des That-Festes noch 8 Kinder bei den Eltern. Es sind nur 12 Nonnen zur Verfügung, die aber auch auf dem Feld und in der Fischzucht arbeiten müssten, um den Lebensunterhalt für das Heim zu erwirtschaften.

Sie selber habe im Jahr 2001 eine Ausbildung als Physiotherapeutin und als Heilpraktikerin gemacht, die der Orden ihr bezahlt habe. Vor 13 Jahren hätte jetzt dieses Heim gegründet, das Grundstück und die Gebäude hätten damals der Orden zur Verfügung gestellt. Weitere Unterstützung durch den Orden oder den Staat gäbe es nicht. Das Heim würde sich überwiegend durch die Arbeit der Schwestern und durch Sachspenden aus der katholischen Bevölkerung finanzieren, es gäbe einen ausländischen Spender, der jeden Monat 100 Dollar stiften würde. Über die Jahre hätten sich auch viel Spielzeug und Rollstühle o.ä. als Sachspenden angesammelt. Sie hätten regelmäßigen Besuch von Studenten aus Neuseeland, die für 2-3 Wochen im Heim sein und die Kinder behandeln würden, welches Studium dahinter steckt, konnte sie aber nicht angeben.

Wir besuchen die Kinder und werden freudig begrüßt, wobei der Behinderungsgrad deutlich breiter gestreut ist als in unserem Heim; viele Kinder laufen herum, ich zähle drei Kinder mit Down-Syndrom und finde etwa 8-9 Kinder, die entweder bettlägerig sind oder in den Rollstuhl mobilisiert sind (immerhin zwei davon). Ansonsten würde sie Lehrer stundenweise bezahlen, die die Kinder unterrichten würden. Auf Krampfanfälle angesprochen bestätigt sie, dass auch hier einige Kinder Krampfanfälle bekämen. Diese Kinder würden 1/Monat in einem Spezialkrankenhaus für Psychiatrie vorgestellt und dort würden die Medikamente festgelegt. Es werden mir 8 solcher Therapiepässe gezeigt, in denen regelmäßige Arztbesuche und die notwendige Medikamente stehen. Ich lasse mir diese mir unbekannten Medikamente zeigen, es handelt sich um ein Barbiturat (Luminal), dass bei uns vor etwa 60 Jahren auch als einziges Medikament gegen Epilepsie eingesetzt wurde, mittlerweile wegen der starken Müdigkeit und schlechten Steuerbarkeit aber kaum noch im Einsatz ist. Das Medikament wird in der Dosierung altersabgestuft eingesetzt. Also schon mal ein Beispiel, dass auch in Vietnam eine Behandlung der Epilepsie durchgeführt werden kann, (auch wenn ich mit dem speziellen Medikament nicht einverstanden bin und die Dosierung abenteuerlich ist). Die lauffähigen Kinder spielen uns begeistert zwei Tänze vor und singen uns noch ein Lied zum Abschied. Harribo ist auch in diesem Teil der Welt wohl bekannt und die Gummibärchen werden mit Freuden aufgenommen. Wir übergeben 3 Mill VND (ca. 150 Euro) als Spende und sagen, dass wir weiteres erst nach Rücksprache mit unserem Verein in Deutschland festlegen könnten.

Insgesamt sehr ordentlich geführtes Heim, wobei nicht so viele stark betroffene Kinder wie in unserem Heim vertreten sind. Es wird viel für die Förderung der Kinder getan, wesentlich mehr mobilisiert und Epilepsie immerhin medikamentös dauerhaft behandelt. Das Gebäude ist zwar älter, aber sehr gut gepflegt und der Küchenanbau wird gerade mit Hilfe der Gemeinde und lokalen Spendern (jede Familie 100 Steine o.ä.) erneuert.

Wir fahren dann zum nächsten, buddhistisch geführten Zentrum weiter, ca. 6 km weiter. Völlig andere Welt, wir kommen in einen leeren Tempelbezirk mit den klassischen Figuren und den Versammlungs-Tee-Raum, den ich nur aus Fernsehfilmen kenne. Es sind nur ein paar Schulkinder zu sehen und wir müssen etwas rufen, bis man uns bemerkt. Es erscheint dann eine junge Nonne mit kurz geschorenen Haaren, der wir unser Ansinnen erklären. Die will den Master rufen und der erscheint wenige Minuten später in Form einer älteren, aber sehr freundlichen und ruhigen Frau mit ebenso kurz geschorenen Haaren. Sie bietet uns einen Tee an und ist in aller Ruhe erst einmal dabei, die Teetassen in einer bestimmten Reihenfolge mit heißem Wasser zu spülen, wobei der Vorgang mehrfach erst mit heißem Wasser und dann mit kleinen Schlücken Tee wiederholt wird, bis wir dann den Tee angeboten bekommen. In der Zeit hat sie sich den Grund für unseren Besuch erklären lassen.

Es stellt sich heraus, dass das Gelände hier mit dem buddhistischem Tempel in der Mitte so etwas wie eine buddhistische Sozialstation ist und bisher hier etwa 90 Menschen betreut wurden, wobei dies Waisen, arme alte Menschen und Behinderte gewesen seien. Leider seien die Unterkünfte von Termiten so zerfressen worden, dass man wegen akuter Einsturzgefährdung die Einrichtung erst einmal geschlossen und die Bewohner auf andere Einrichtungen verteilt hätte. Es sei jetzt geplant, die Unterkünfte und anderen Nebengebäude abzureißen, neu zu erbauen und dann die Bewohner zurückzuholen. Derzeit würden hier nur 4 Mönche/Nonnen leben. Aber sie lädt uns zu einem Rundgang ein.

Es folgt ein Rundgang durch eine andere, recht arme Welt mit vielen bunten Bildern und Figuren. Wir müssen erst einmal um den Zentraltempel mit all seinen bunten Figuren herum und kommen dann an den selbstbestellten Reisfeldern und den frei lebenden Hühnern vorbei zu den Unterkünften und Werkstätten, die völlig verlassen sind und bei denen ein Teil der Decken heruntergekommen ist. Die Unterkünfte und die Werkstätten waren nach unserem Eindruck auch noch in Betrieb sehr karg gewesen und es weht einen auch in den leeren Räumen viel Armut an.

Kim wird immer stiller und wird  aber vom Master an die Hand genommen und zum Tempel gebracht. Kim war vorher schon etwas aufgeregt und hat den Fahrer noch mal nach der richtigen Anrede für einen buddhistischen Mönch befragt. Kim kniet dann vor dem Altar nieder und ist sehr ruhig.

Später berichtet Kim dann, dass sie im buddhistischen Glauben aufgewachsen ist, aber seit 40 Jahren nicht mehr in einem Tempel war. Sie hätte eigentlich auch eine Räucherkerze anstecken wollen, dass sie ihr aber nicht erlaubt, dazu müsse sie ihre Seele sich erst einmal weiter reinigen (oder so ähnlich..). Kim überlegt schon lange, mal in ein buddhistisches Kloster für einige Wochen zu gehen, um zu meditieren und zur Ruhe zu kommen. Hier hat sie jetzt ein Angebot bekommen, was sehr ehrlich und bodenständig wirkte. Mir hat diese 74-jährige Frau mit ihrer Ruhe sehr imponiert.

Wir hinterlassen 1 Mill VND (ca. 50 Euro) vom Verein als Spende und fahren wieder nach Hanoi zurück. Der Stau ist ziemlich lange, alle wollen nach Hause, viele Mopeds, wieder trotz geordnetem Chaos keine Unfälle und dann sind wir gegen 17:00 zurück. Gegen 18:00 machen wir uns wieder auf, wir sind hier in der Nähe des Teiches der Schildkröte und finden ein vietnamesisches Restaurant, das so gut vietnamesisch ist, dass sich der übliche Tourist nicht rein traut. Schade für die, das Essen ist hervorragend! Wir sitzen dann noch was am Schildkrötensee und gehen dann zum Hotel zurück.

Morgen ist nur Ausruhen und Stadtbesichtigung geplant, organisiert durch Noc, die Bekannte von Kim und Günther.

18.3.15  Touristen-Programm mit Tempel der Schildkröte, etwas Altstadt, Mittagsschlaf, dann Wasserpuppen-Theater (nur Touristen!), Abends „hot pot“, dann zum Hotel zurück, dort gönnen wir drei uns noch eine klassische vietnamesische Massage, war ganz angenehm, aber habe immer noch „Rücken“.

19.3.15  Wir haben alle unter Übelkeit zu leiden, Kim hat sich heute morgen übergeben. Um 9:30 fahren trotzdem ins Dorf der Freundschaft, etwa 30 km durch den Stadtverkehr von Hanoi, sind gegen 11:00 da und werden von der Sekretärin freundlich empfangen. Großes gepflegtes Gelände mit schönen großzügigen Gebäuden. Hier werden etwa 110 bis 120 Kinder behandelt, wobei nur 3 bettlägerig bzw, so schwer behindert sind, wie in unserem Heim. Wir besichtigen 3 Klassen, in denen Unterricht gegeben wird. Das Niveau ist dabei „Zählen bis 3“ bzw. in der anderen Klasse „Wir hüpfen durch Ringe und werfen einen Ball in einen Eimer“. Neben vietnamesischen Lehrern jeweils ein Freiwilliger (ein Niederländer, der vor 24 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist und zwei jungen Franzosen). Es wird uns auch ein PC-Unterrichtsraum gezeigt, gelehrt wird Umgang mit Word, Excel und Photoshop, an der Tafel finden sich Symbole aus HTML-Skripten. In den nächsten Räume eine Schule für die Herstellung von Papierblumen und Postkarten, in der eine Schülerin mit einem beeindruckende Mikrocephalus (Die Augen hatten kaum Platz in diesem kleinem Schädel), die aber filigrane kleine Kunstwerke aus gefaltetem Papier auf Postkarten klebt. Hier können wohl viele Behinderte wieder für das Leben in den Familien vorbereitet werden. Die Herstellung von Papierblumen ist eine mögliche Einnahmequelle für Behinderte hier in Vietnam, berichtet die Sekretärin. Es folgt ein Raum für Stickarbeiten und ein Raum für Näharbeiten, in denen jeweils in ruhiger Umgebung behinderte Menschen arbeiten oder ausgebildet werden.

Wir besichtigen die Therapie-Räume, insbesondere den großen Raum für die Physiotherapie. Nach Angaben der Sekretärin seien unsere Schwestern auch sehr viel hier und würden lernen. „Unsere“ Schwestern werden sehr für ihren Fleiß und ihre Neugierde gelobt.

Also wieder komplett anderes Konzept: eher geistig Behinderte oder leichtere neurologische Defizite mit dem Ziel, wieder ein Leben in den Familien und wenn möglich irgendeine Ausbildung zu einer (Berufs-?)Tätigkeit. Die Situation in Vinh scheint allen hier bekannt zu sein, mehrfach wird gesagt, dass unsere Schwestern es ja auch deutlich schwerer hätten. Für dieses Frühjahr wurde noch einmal der Aufenthalt von zwei Schwestern dort ausgemacht.

Insgesamt, wenn ich die Stimmung in unserem Heim und die Aktivitäten für die Kinder jetzt mit den letzten Jahren vergleiche, haben unsere Schwestern doch viele Impulse aus dem Dorf der Freundschaft aufgenommen und versucht auf die dortige Situation umzusetzen. Als Beispiel fällt mir das Spielzimmer angenehm auf und die Tatsache, dass immer irgendjemand bei den Kindern war und viel mehr mit den Kindern unternommen wurde. Trotzdem zeigten sich gerade bei den Kindern in der oberen Etage und in dem rechten Zimmer im Erdgeschoss deutliche Zeichen von Hospitalismus mit rhythmischen Oberkörperbewegungen und unser „Äffchen“ (sorry vergesse den Namen immer) knallte immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand und hört sofort auf, wenn wieder was los war.  Also noch viele Möglichkeiten, was besser zu machen und bezüglich der Aus- und Weiterbildung müssen wir in Deutschland uns beraten. Das Konzept aus Hatting (s. 15.3.) ist m.E. das zukunftsträchtigste Modell.

Gegen 13:00 sind wir wieder im Hotel, Ki legt sich was hin und ich gehe zum Teich der Schildkröte und versuche meinen Magen mit etwas Tee zu beruhigen.

Für 14:00 habe ich mich mit Günther verabredet und dann wollen wir einen Tempel besichtigen. Gegen 18:00 dann doch evtl. was kleines essen und dann geht um 22:00 mein Zug nach Danang schon.

20.3.15  Die Zugfahrt war interessant, wir waren zu viert im Abteil, ein junges Mädchcn, das auf die Liege über mir kletterte und dann bis zum Aussteigen um 7:00 in … nicht mehr zu sehen war, ein ca. 40-jähriger Vietnamese, der ebenfalls oben schlief und ebenso nicht zu sehen war und ein etwa 5o-jähriger Vietnamese, der mir gegenüber unten schlief. Nach drei Sätzen sind wir dann ins Deutsche gewechselt. Er war Jurist und Völkerrechtler, der in Berlin und Leipzig Jura in der DDR studiert hatte und später mit einem Stipendium der DAA noch mal Völkerrecht in Heidelberg studiert hatte und den Mauerfall miterlebt hatte. Er berichtete, wie man damals in dem Heidelberger Institut lange über die Staatsform diskutiert hatte (z.B. Vereinigte Staaten von Deutschland), aber Helmut Kohl hätte das ja alles mit viel Geld schon anders geregelt. Er arbeitet jetzt in Hanoi in einem Forschungsinstitut zu Völkerrecht und sei gerade unterwegs zu einem Kongress nach  …. Nette anregende Unterhaltung, gegen 24:00 versuchen wir zu schlafen, was bei den ratternden Bahnschienen was schwierig ist. Um 6:00 wird es hell und ich versuche in dem Nebel Landschaft zu betrachten. Ansonsten Fahrten durch Innenstädte und Dörfer. Es gibt Bahnschranken, aber keinerlei Abgrenzung der Bahnstrecke z.B. vom nächsten Innenhof, bzw. die Abgrenzung dient als Ständer für die Blumentöpfe.

Um 13:00 kommen wir in Danang an, zwischendurch war ich noch von einer jungen Weissrussin begleitet, die nur geschlafen hat. Fahre mit dem Taxi nach Hoi An ins Hotel. Mittagsschlaf, Standspaziergang, Abendessen, um 20:00 kann ich die Augen nicht mehr aufhalten und falle ins Bett.

21.3.15  6:00 bin ich wach, Schwimmen im Meer,  dann Frühstück und sonnen am Strand. So jetzt kommt der anstrengende Teil: Einkaufen!  Fahre um 11:00 mit dem Shuttle-Bus des Hotels nach Hoi An und komme erst um 19:00 zurück, bitte Beifall…
Habe mir einen Anzug bestellt und 7 Schals gekauft, muss morgen weiter suchen.
Sitze den Abend am Pool, trinke mir einen Wein, lese und skype mit der Familie.

22.3.15  Frühstücken, Schwimmen, Sonnen, nach Hoi An fahren und einkaufen, echt eine Herausforderung, habe in etwa den Grenzwert (zumindestens für Ausländer) erkundet für Pashima-Schals: komme nicht mehr unter 100.000 VND pro Schal und kaufe insgesamt 25 Schals. Der Anzug ist fertig und passt gut.

23.3.15  Morgens Strand, dann wieder Einkaufsprogramm, Abends Zugfahrt nach Saigon, vor dort in den Flieger

24.3.15 23:30 Rückflug nach Frankfurt

Liebe Grüße
Euer
Rolf

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