Trauer um Ruth A. Duchstein

Liebe Freundinnen und Freunde des Verein „Friedenskinder e. V. Koblenz“,

wir trauern um Ruth Duchstein, unsere liebenswerte und engagierte Schirmherrin. Sie hat unser Vereinsmotto „Damit Kinder Kinder sein dürfen“ zu ihrer Sache gemacht. Kindern in Not, vielerorts in der Welt und hier in Koblenz zu helfen, war ihr sehr wichtig. Sie unterstützte unsere Arbeit als Vereinsmitglied, als Projektpatin und als Schirmherrin, dafür sind wir Ihr sehr dankbar.

Wir sprechen Eberhard, Robert und Hannah Duchstein sowie ihren Eltern Rosemarie und Erich Wolf unser tief empfundenes Beileid aus. Ein wunderbarer Mensch ist von uns gegangen, wir werden Ihr ehrend gedenken.

Bernd Wangelin, Vorsitzender

Friedenskinder e. V. Koblenz

 

 

Ruth A. Duchstein ist tot. Die das literarische Leben in Koblenz und Umgebung so lange nachhaltig beeinflussende Frau erlag am Mittwoch im Alter von 61 Jahren einer schweren Krankheit. Für Buchfreunde, für Literaturliebhaber ist das nicht nur am Rhein-Mosel-Eck eine schmerzhafte Nachricht. Denn viele nannten sie „meine Buchhändlerin“ – eine Redewendung der Wertschätzung, die Vertrautheit, Verlässlichkeit, Kundigkeit, Dauerhaftigkeit zum Ausdruck bringt. Der literaturinteressierte Kunde ließ sich beim Besuch im Koblenzer Stammhaus der Buchhandlung Reuffel gern von ihr beraten; ließ sich von ihr gern über Neuerscheinungen und noch unbekannte interessante Autoren orientieren; ließ sich gern von ihr verführen, wieder mal einen Schritt in noch ungekannte Literaturgefilde zu wagen.

Die aus Mayen stammende Ruth A. Duchstein war über Jahrzehnte gemeinsam mit ihrem Mann Eberhard Inhaberin des Familienunternehmens Reuffel. Neben dem Gatten und den Kindern galt ihre große Liebe der Literatur. In ihr, mit ihr und für diese lebte die Vielleserin. Sie verstand sich nie nur als Buchverkäuferin, sondern stets ebenso als Ratgeberin und Vermittlerin in Sachen Literatur.

Zwei der unter ihrer Ägide entstandenen und für das literarische Leben in Koblenz so bedeutsam gewordenen Veranstaltungsreihen seien genannt. Da ist das Festival „Ganz Ohr“, 2008 ins Leben gerufen, bei dem sie sich um den literarischen Part kümmerte. Sie ließ ihre weit reichenden Kontakte zu namhaften Autoren und in die Verlagsszene spielen, brachte so für einen um den anderen Jahrgang bedeutende, spannende, vergnügliche Schriftsteller nach Koblenz – und trug derart entscheidend dazu bei, dass dieses Festival einen fes-ten Platz mit hohem Ansehen im Koblenzer Kulturleben einnimmt.

Schon lange davor, in den frühen 1980ern, begann die bis heute existierende und blühende Reihe der Autorenlesungen in der Buchhandlung Reuffel. Grass, Walser, Widmer, Christa Wolf, Monika Maron, Genazino, Timm, Kunze und viele mehr. Wer Rang und Namen hat in der deutschsprachigen Literatur, war schon in Koblenz – wurde von Ruth A. Duchstein empfangen, betreut, verköstigt und dem Publikum zwischen den Regalen der Buchhandlung zugeführt. Die Hausherrin verstand sich auf Schriftsteller, sie kannte deren Werke und bald ebenso gut deren Eigenheiten und/oder Empfindlichkeiten.

Kaum ein Literat, der sich nicht an die belesene und warmherzige Koblenzer Buchhändlerin erinnert, deren Freundlichkeit sich bisweilen mit kecker Schnippigkeit paarte, ohne indes je zu verletzen. In der „Zeit“ erzählte vor ein paar Jahren Wladimir Kaminer mit Schmunzeln: Diese Frau habe ihn mit der unverblümten Frage empfangen, was denn seine Macke sei. Es gehörte wohl teils zum Naturell der Ruth A. Duchstein, war teils Ergebnis ihrer unaufhörlichen Beschäftigung mit den menschlichen wie allzumenschlichen Höhen und Tiefen in der Literatur: die Neugierde auf und das Gespür für die Befindlichkeit von Zeitgenossen, mit denen sie zu tun hatte – seien es Autoren von Weltgeltung, Verlagsleute oder einfache Leser wie du und ich. Im vergangenen Jahr erhielt sie die Kulturehrennadel der Stadt Koblenz, geehrt wurde sie als „Botschafterin für die Welt des Lesens und der Bücher“.

Ruth A. Duchstein ist tot. Und sie wird fehlen: als Kennerin, Ratgeberin, Diskutantin, Anregerin und inspirierende Kraft in Sachen Literatur – und/oder einfach als lebensfrohe Freundin mit sehr großem Herz.

Von unserem Autor Andreas Pecht

RZ Koblenz und Region vom Samstag, 28. April 2018, Seite 15

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