Vietnam – abseits der Touristenziele

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Unser diesjähriger Reisebericht wird sich nicht mit den Gründen der Probleme in Vietnam befassen. Wir möchten die Eindrücke wiedergeben, die wir durch den Besuch vieler Familien bekommen haben. Fernab von touristischen Zielen erlebten wir Armut, große Not und Verzweiflung, aber auch Zusammenhalt, Genügsamkeit, Hoffnung und ganz viel Liebe.

Am ersten Abend in Saigon erkunde ich das Viertel, in dem ich untergekommen bin. Es ist nicht leicht, sich zurechtzufinden. Auf der Suche nach meinem Hotel laufe ich im Dunkeln durch die Straßen. Jeder, den ich anspreche, will mir helfen, die richtigen Wege zu meiner Unterkunft zu finden, aber jeder schickt mich in eine andere Richtung. Überall am holperigen Wegesrand Staub, Abfall und Rauch, ab und zu auch eine Ratte. Einen Bürgersteig, der diesen Namen verdient, gibt es nicht. Endlich die Lichtreklame des Hotels! Mehr Glück als Orientierungsvermögen! Die Nacht ist erholsam, und am nächsten Morgen gehe ich noch einmal dort entlang, wo ich mich am Abend nicht zurechtgefunden habe. Bei Licht betrachtet, sieht alles doch anders aus.

Die meist sechsstöckigen Häuser sind so dicht gebaut, dass zwei Fahrräder nicht aneneinander vorbeikommen. Überall offene Türen, überall Einblicke in einen vollkommen anderen Alltag. Eine Wohnung ist immer auch eine Werkstatt, ein Büro oder ein Geschäft. Kleine Kinder sitzen vor der Flimmerkiste, die Großmutter schläft auf einer Bambusmatte auf dem kalt gekachelten Fußboden, der große Bruder spielt mit dem Hund und die Mutter putzt das Gemüse oder schneidet die Ananas zurecht, die der Vater ein paar Meter entfernt auf der breiteren Straße zum Kauf anbietet. Wunderschön frisch und bunt hat er alles zu kunstvollen Pyramiden oder Türmen aufgeschichtet. Mitten im Durcheinander der Gassen gibt es Nagelstudios, Obsthändler, Friseursalons, Karosseriebauer, einen Lebensmittelladen, einen Handyverkäufer, immer mit privatem Leben vermischt.

Draußen wird das Brummen der Mopeds von einer feinen Frauenstimme übertönt. Zu asiatischer Musik aus der Konserve singt eine Blinde ihr Lied in ein Mikrofon. Wie klein sie ist, vielleicht 35 Jahre alt, armselig bekleidet, unterstützt von einem ebenfalls blinden Mann. Beide gehören einer Minderheit an, das sieht man an der dunklen Haut und den indisch wirkenden Gesichtszügen. Er hält die Hand für Spenden auf oder auch für den Erlös aus dem Verkauf der angebotenen Ware: Rückenkratzer aus Holz und Plastik. Sie singt mir ein paar Tränen in die Augen – bewegend.

Direkt daneben, zwischen geschnitzter Ananas und verlockenden Mangos, zwischen lebenden Fischen und Hühnern, steht herausgeputzt mit bunten Fahnen eine Schule. Das Pausengeschrei der Kinder ist von unserem in Deutschland nicht zu unterscheiden. Ich versuche von außen zu fotografieren, da öffnet sich das Tor und ein Wachmann kommt heraus. Habe ich mich zu weit über die Mauer gelehnt, werde ich jetzt gefaltet und man nimmt mir das Handy ab? Weit gefehlt. Eine einladende Geste und ein freundliches Lächeln öffnen mir den Weg in ein beinahe vertrautes Gebäude. Kinder kommen auf mich zugerannt, lachen, stellen mir Fragen auf Englisch. Deutschland, davon haben manche schon einmal gehört, vor allem diejenigen, die an Fußball interessiert sind.

Alle gehen offenbar gerne und mit Stolz in die Schule. Sie wollen Lehrerin werden, Ärztin, Ingenieur oder Chef. „Wovon Chef?“, frage ich. „Egal, Chef in einem Restaurant, einer Fabrik, einem Büro oder in einer Schule“, lautet die Antwort. Bildung ist die Zukunft dieses Landes. Neben Fingerspielen und Fußball, neben Schwätzchen und Tänzchen entdecke ich den Securitymann wieder. Er freut sich, dass ich so viel Spaß habe.

Bald fliegen wir nach Hue, wo uns unsere Mitarbeiterin Thuan erwartet und herzlich begrüßt. Inzwischen ist sie unverzichtbar für unser Projekt geworden. Mit jedem kommt sie gut ins Gespräch, egal ob alter Mensch oder Kleinkind, ob hilfesuchende Mutter oder Chefarzt. Mit Organisationstalent, Klarheit und Feingefühl managt sie hier die Interessen unseres Vereins, die Hilfe für benachteiligte Kinder und Familien. Sie hat uns eine Route ausgearbeitet, die uns zu bereits operierten Kindern führt, zu Eltern, die noch auf Unterstützung hoffen, zu Kinderheimen und Krankenhäusern, zu noch unbekannten, beinah unvorstellbar armen Familien und zu vertrauten Patenkindern aus unserem Projekt.

In der Vorschule des Marienordens fühle ich mich beinahe schon zuhause. Alles habe ich schon einmal fotografiert: den wunderschön angelegten Garten, die kleinen Toiletten, die wir finanzieren konnten, die Räume, in denen gelernt, gespielt und geschlafen wird, und die Küche, in der man für 90 Personen auf dem Holzfeuer kocht. Eine Klasse singt uns ein Lied vor und führt ein kleines Tänzchen auf: „We are so happy“heißt es, und ich glaube, der Text ist nicht gelogen. Es gibt hier nur noch 5 Waisenkinder. Die anderen besuchen die kostenlose Vorschule, lernen, schreiben, singen, malen oder spielen. Alle bekommen ein Mittagessen, das unser Verein monatlich mit 200 € bezuschusst, und jedes Kind hat eine Aufgabe. Da gibt es eine Gruppe, die spült und abtrocknet, eine andere wischt die Tische sauber und einige räumen die kleinen Plastikstühlchen zur Seite, bevor der Mittagsschlaf beginnt. Am Nachmittag geht es für die meisten wieder nach Hause. Wer hier bleibt, hat in der Regel ein gutes Los gezogen. Es fühlt sich nach Zuhause an, nach Familie und Geborgenheit, auch wenn die 12jährige Lynn erzählt, dass sie in der Schule manchmal gemobbt wird. Sie gehört zu einer Minderheit mit ursprünglich anderer Sprache und Kultur. Duong hingegen fühlt sich ausnahmslos wohl. Sie ist bereits 17 und wird in zwei Jahren ihr Abitur machen. Vormittags hilft sie wo sie kann, nachmittags fährt sie mit dem Fahrrad zum Unterricht und am Abend wird gelernt. Ähnlich geht es auch den anderen fest hier lebenden Jugendlichen.

Wir versprechen, für das Büro einen in die Jahre gekommenen Computer durch einen neuen zu ersetzen und fahren weiter in die Berge nach Nam Dong.

Hier, in den ehemaligen Lebensräumen von Minderheiten, wurden nach dem Krieg viele Südvietnamesen zwangsweise angesiedelt, fernab von Zivilisation. Lehrer, Offiziere und Staatsbeamte mussten sich mit der Rodung des Waldes plagen, Straßen und ihre eigenen Häuser bauen, immer unter Kontrolle der Sieger. Die einzige Straße nach Hue wurde bewacht und nur selten geöffnet. Heute leben in diesem Gebiet neben völlig verarmten Minderheiten auch viele katholische Familien, denen die Bildung der Kinder sehr am Herzen liegt.

Unterstützt werden sie von drei Nonnen, die für Nachhilfe oder Musikunterricht sorgen und ab und zu auch Spendengelder beschaffen. Sie möchten uns gerne zu einer Familie führen, die Hilfe besonders nötig hat. Für unseren Kleinbus ist der Holperweg jedoch nicht zu schaffen, und so bestellen wir sie her zu uns. Es dauert nicht lange, da steht das Moped im Hof. Der Vater, wie so viele Väter hier, setzt sich scheu in eine Ecke, während uns die Mutter ihr zweijähriges Mädchen vorstellt. Es wurde über Spenden an unseren Verein vor einem halben Jahr operiert. Das Kind freut sich über einen Kuschelhasen und die gefleckte Kuh für die Schwester. Wir erfahren von den finanziellen Problemen, die gerade das Leben der Minderheiten bestimmen. Vater und Mutter haben selbst kein Land und arbeiten beide, jeweils für einen Hungerlohn, dort wo sie gebraucht werden: mal in einer Plantage, mal an einer Baustelle. Wir lassen Geld für die Fahrt zur Nachuntersuchung da und bekommen ein fröhliches Winken zum Abschied.

Weiter geht es über kleine Straßen und staubige Wege durch eine malerische Berglandschaft. Grüne Hölle, haben die amerikanischen Soldaten diese Gegend genannt, womit sie sicher nicht die Landschaft meinten. Wir müssen den Bus stehen lassen und gehen unter Kokospalmen vorbei an kleinen Reisfeldern. In einem Holzhaus liegt auf einer Pritsche ein etwa vierzigjähriger Mann. Er ist nach einem Unfall halbseitig gelähmt und kann keinerlei Arbeiten mehr annehmen, sich auch nicht aus dem Haus begeben. Bald kommt seine neunzigjährige Mutter dazu, die gerade in der Nachbarschaft mit kleinen Hilfsarbeiten zu tun hatte. Unser Besuch hat sich herumgesprochen, und so dauert es nicht lange, bis wir auch die Ehefrau kennen lernen. Zunächst dreht sie liebevoll ihren Mann zur Seite, dann erzählt sie uns ihre Geschichte: Nach dem schweren Arbeitsunfall des Mannes war sie allein zum Geld verdienen übrig. Lange konnte sie ihre Herzkrankheit überspielen und den beiden Kindern, ihrem Mann und der Mutter ein erträgliches Leben ermöglichen. Als dann aber die Diagnose Brustkrebs hinzu kam, wurde ihre Arbeitskraft immer weniger. Das 15jährige Mädchen musste die Schule abbrechen und eine Arbeit in Saigon übernehmen. Die geistig behinderte Dreizehnjährige nahm kleine Hilfsarbeiten in der Umgebung an. Damit sich die Mutter zur Untersuchung auf den Weg nach Hue machen kann, geben wir eine kleine finanzielle Unterstützung. Vielleicht gibt es Hoffnung auf eine Herzoperation.

Der Weg führt uns weiter durch ein breites Tal zur nächsten Station unserer Reise. Das Haus war früher einmal die Dorfschule, aber Kinder werden hier schon lange nicht mehr unterrichtet. So stellte es die Gemeinde vor einigen Jahren einer vom Schicksal besonders hart getroffenen Familie zur Verfügung, weil deren Hütte während der Regenzeit immer wieder im Hochwasser zu versinken drohte. Der Vater, etwa 45 Jahre alt, ist körperlich schwer behindert. Er sitzt auf dem Boden und schaut durch die offene Tür nach draußen. Auch er gehört zu einer Minderheit. Mit seiner gesunden Frau hat er zusammen drei Kinder, mittlerweile alle um die zwanzig Jahre alt. Die beiden Söhne sind stark körperbehindert, die Tochter ist geistig beeinträchtigt. Sie hat bei einer Busfahrt einen Fabrikarbeiter aus Saigon kennnen gelernt, mit dem sie heute verheiratet ist.

Da der Mann jedoch selbst zu wenig Geld verdient, um eine Familie zu ernähren, lebt sie weiter bei ihren Eltern. Sie hat vor 18 Monaten ein Kind bekommen, das über unsere Hilfe am Herzen operiert werden konnte. Es ist gerade mit seiner Großmutter, der einzig gesunden Person dieses Haushaltes, zum Einkaufen unterwegs. Als wir dem Vater Geld schenken, kommen ihm die Tränen. Der Rollstuhl vor dem Haus, mit dem seine Frau ihn oder die beiden Jungen manchmal zu den Nachbarn schiebt, besteht aus einem weißen Gartenstuhl aus Plastik und zwei notdürftig angebrachten Rädern. Wie gerne er ein motorisiertes Dreirad oder einen geländefähigen Rollstuhl hätte, wagt er kaum zu sagen.

Zurück in Hue treffen wir am Abend den jungen Mann, den wir mit seinen beiden Geschwistern im vergangenen Jahr besucht hatten. Damals konnten wir die kleine Familie mit Regenjacken, Kuscheltieren und einer Nähmaschine erfreuen. Der jüngere Bruder ist schwerst körperbehindert. Er kann sich nicht von seinem harten Lager fortbewegen und muss rund um die Uhr betreut werden. Die gesunde Schwester war bisher Alleinverdienerin. Sie arbeitet in einer Nähfabrik, fühlt sich verantwortlich und erzählte uns damals, dass sie den Traum einer eigenen Familie bereits begraben hatte.

Mittlerweile hat sie einen festen Freund, während der über uns operierte junge Mann mit der Nähmaschine auch zuhause Geld dazu verdienen kann. Er ist für drei Tage in Hue, um eine turnusmäßige Nachuntersuchung durchführen zu lassen. Anfangs noch sehr schüchtern möchte er den kleinen Betrag, den wir ihm schenken möchten, nicht annehmen. Beim gemeinsamen Abendessen taut er jedoch auf und freut sich schließlich sehr über das unerwartete Taschengeld.

Der nächste Tag ist zunächst erschütternd. Thuan führt uns durch staubige Straßen Hues an den Fluss. Hier steht eine Holzhütte wie auf Stelzen im Wasser – etwa 10 qm groß, ein schiefes Wellblechdach, keinerlei Möbel und nur vereinzelt Bretter als durchlässige Außenwände. Einmal im Jahr gibt es Hochwasser. Dann zieht die ganze Familie mit den wenigen Habseligkeiten ein paar hundert Meter weiter die Straße hinauf, schläft, kocht, isst und lebt am Straßenrand bis das Wasser wieder den Normalstand erreicht hat.

Der Vater, ein Fischer ohne eigenes Boot, stellt am Ufer Reusen auf, um wenigstens ein paar Dong zu verdienen. Gerne nimmt er auch jede Gelegenheitsarbeit an. Dabei verdient er jedoch so wenig, dass die beiden älteren Kinder, 12 und 13 Jahre alt, die Familie mit Arbeit in der Fabrik unterstützen müssen. Sie alle sind unterwegs.

Daheim geblieben ist Thi Hang eine extrem schlanke Frau mit zwei kleinen Kindern. Das eine betreut sie für eine Nachbarin, das andere ist ihr eigenes. Für eine Herzoperation war die Dreißigjährige bisher zu schwach, so dass die Klinik einen Eingriff verweigerte. Nun ist sie ein wenig stabiler geworden, kann die Operation aber nicht bezahlen. Ihre vierjährige Tochter kommt gerade aus der Vorschule. Sie soll es einmal besser haben. Vier Kuscheltiere und ein paar Jacken finden neue Besitzer. Unser kleines Geldgeschenk soll die Mutter unterstützen, um den Weg zur Klinik ein wenig gestärkt zu gehen. Thuan wird sie dort in Empfang nehmen und dafür sorgen, dass der Eingriff durchgeführt werden kann und dass eine neue Patenschaft monatliche Hilfe für die ganze Familie bedeutet.

Eine engagierte Nachbarin weist uns den Weg zu einem 12jährigen Mädchen, das alleine inmitten von Müll vor einem ärmlichen Haus sitzt. Es lebt hier mit seiner Großmutter und zwei Schwestern, die gerade zur Schule gehen. Ihren Vater hat das Mädchen nicht kennen gelernt, und die Mutter ist vor ein paar Jahren mit einem neuen Mann verschwunden. Die Großmutter ist unterwegs um verwertbaren Müll zu sammeln, den man überall am Straßenrand findet. Sind die großen Säcke gefüllt, bringt sie die Fundstücke nach Hause, wo die jüngste Enkelin alles nach Metall, Glas, Plastik, Papier und Pappe ordnet.

Damit lässt sich wenigstens ein bisschen Geld verdienen, sogar so viel, dass für zwei Mädchen das Schulgeld bezahlt werden kann. Warum es für die Zwölfjährige nicht reicht? Die Schule wollte das Mädchen nicht aufnehmen, weil es hin und wieder epileptische Anfälle bekommt. Medizinische Unterstützung oder gar eine Betreuung gibt es nicht. Da wir die Großmutter nicht erreichen, geben wir dem Kind einen kleineren Geldbetrag und versprechen, dass Thuan Kontakt aufnehmen wird, möglicherweise um eine weitere Patenschaft anzubahnen.

Die Nachbarin möchte gerne dabei helfen. Auch hier bleibt ein Kuscheltier aus Koblenz zurück: eine kleine fleißige Biene hat sich das Mädchen ausgesucht.

Die Fahrt aus der Stadt heraus bringt uns zu einem deutlich besseren Haus, inmitten von Reisfeldern, Kokospalmen und wunderschöner Natur. Schon an der Einrichtung und an der Kleidung der kleinen Familie sieht man, dass die Not hier nicht so groß ist. Vater Nguyen kümmert sich um die kleine Landwirtschaft und nimmt Gelegenheitsarbeiten als Maurer wahr. Die Mutter putzt täglich in einem Restaurant, was ihr monatlich etwa 120 Euro einbringt. Da der Vater während der Regenzeit keine Einnahmen hat, haben wir im vergangenen Dezember die Kosten für die Herzoperation des zwölfjährigen Van Toan übernommen. Er wird demnächst noch einen Herzschrittmacher benötigen, um wie seine beiden Geschwister weiter zur Schule zu gehen. Noch fühlt er sich schwach, nimmt aber die meiste Zeit am Unterricht teil. Wir sehen schnell, dass alles hier in Ordnung ist. Zwar gibt es keine Fensterscheiben, aber ein paar Möbel, sogar einen kleinen einfachen Tisch zum Schreiben, ein Regal mit Schulbüchern, Katze, Hund und ein offenbar behütetes Familienleben. Wir überlegen, ob wir den Herzschrittmacher übernehmen.

Im nächsten Ort erwartet uns die Mutter eines ebenfalls operierten Kindes. Der Vater ist mit dem Lastwagen unterwegs und die beiden Jungen, 11 und 12 Jahre alt, gehen gerade zur Schule. Zu viert wohnt man in einem Raum von etwa 12 qm, mit Kleiderschrank und dem üblichen großen B(r)ett zum Schlafen. Gegenüber lebt die Großmutter zusammen mit der Familie ihres Sohnes. Für ihre Firma fährt auch der Schwiegersohn. Hier ist auf jeden Fall Geld vorhanden, wie es aber traditionell üblich ist, musste die Tochter nach der Heirat das Haus verlassen. So lebt die Familie zwar sehr beengt in einem Nachbarhaus, wird aber von uns nicht weiter unterstützt werden. Hier müssen alle zusammenhalten. Zurück in Hue müssen wir ein wenig suchen, bis wir Familie Chau finden. Thuan geht durch enge Straßen vor unserem Auto her und lotst uns durch ein zwar ärmliches, aber malerisches Wohngebiet. Ein Mönch spielt Fußball, vier ältere Damen spielen mit Karten, ein Hund begleitet uns neugierig und schnuppert an den europäischen Sandalen. Das kleine Haus liegt zwischen bunten Gärten in einer ruhigen Ecke der wuseligen Stadt.

Die Großmutter hält den einjährigen Ban Han mit den zarten Federhaaren behutsam auf dem Arm und zeigt uns die große Narbe der Operation. Ein Herzschrittmacher wurde eingesetzt. Irgendetwas stimmt noch nicht, denn der Bauch des Kindes ist hart wie Stein. Eine weitere Untersuchung ist also unbedingt nötig. Besorgte, liebevolle Eltern versichern, dass sie weitere Termine in der Klinik nutzen werden. Sie bieten uns Tee an, aber wir möchten weiter. Die Operation, die wir bezahlen konnten, war wichtig, aber diese Familie wird ihren Weg ohne zusätzliche Hilfe gehen. Kuscheltiere für das Baby und die Schwester wie auch die große Narbe, lassen gute Erinnerung an uns zurück.

Zwischen Hue und Hoi Anh wohnt abseits der großen Straßen der 12jährige Duong Thai mit seiner Mutter und der Oma. Sie ist bereits 88 Jahre alt und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Vor langer Zeit hat sich der Vater des Jungen aus dem Staub gemacht. Seitdem kommt die Mutter für die kleine Familie alleine auf. Duong ist zunächst noch sehr schüchtern, aber bald zeigt er uns mit großem Stolz seine Zeugnisse. Immer schon ist er der Klassenbeste. Er lernt so eifrig, weil er später Arzt werden möchte um seine Mutter zu unterstützen, wenn sie einmal alt ist. So viel Liebe ist hier zu spüren!

Die Mutter nimmt jede Gelegenheitsarbeit an, um die Ausbildung ihres Sohnes zu ermöglichen. Nach der Herzoperation durch die Friedenskinder stiegen jedoch einige Kosten und das Schulgeld für die 7. Klasse war nicht mehr aufzubringen. Über den Einsatz von Thuan konnten wir einen Paten finden, durch dessen Hilfe die Zukunft nun wieder in besserem Licht erscheint.

Dennoch bleibt das Leben der Familie anstrengend und eingeschränkt. Jeden Tag fährt die Mutter ihren Jungen zur Schule und holt ihn auch wieder ab. Mit dem alten Fahrrad über ausgeschlagene Feldwege dauert das seine Zeit. Um den weiten Weg zu gehen, ist Duong noch viel zu schwach. Er ist sehr dünn und hat wenig körperliche Ausdauer. Am liebsten stärkt er sich mit Milch. Die kostet aber so viel, dass ihm die Mutter dieses Vergnügen nur einmal im Monat gönnen kann. Wir lassen ein wenig Geld da, eine Packung Milchpulver und ein Glas Nutella. Die Patenschaft muss auf jeden Fall weiterlaufen, denn hier ist eine wirklich positive Entwicklung auf den Weg gebracht. Kuscheltiere sucht die Mama aus, gerne auch einen Hasen für sich selbst. Bei den Regenjacken und den Hosen möchte Duong schon selbst ein Wörtchen mitreden.

In Hue war unsere Mitarbeiterin von einer Familie gebeten worden, die dringende Operation eines kleinen Jungen zu übernehmen. Sie sagte wie üblich nicht zu, sondern verwies darauf, dass wir uns erst ein Bild machen müssten, wie die Einkommensverhältnisse der Eltern sind. So führte uns unsere Reise in eine kleinen Stadt nahe des Meeres, die nach dem schrecklichen Krieg fast verlassen war. Manche fanden über Jahre in Europa, andere auch in Amerika eine vorübergehende Heimat. Mittlerweile sind aber viele Flüchtlinge zurückgekehrt.

Das Haus, in dem wir von der Mutter und der Großmutter empfangen wurden, sei nicht das eigentliche Haus der Familie. Es gehöre Freunden. Ihre Wohnung sei mehrere hundert Meter entfernt und so armselig, dass man niemand darin empfangen könne. Das Baby auf dem Arm der Mutter sieht wirklich krank aus. Es hustet, schnauft und hat rote Augen. Die beiden anderen Kinder wirken jedoch gut genährt und bewegen sich in diesem angeblich fremden Haus sehr vertraut. So flitzt der Junge mit einem schicken Tretauto über den Hof, und unser Eindruck ist klar. Hier stimmt etwas nicht. Während Thuan kluge Fragen stellt, sehen wir uns übereinstimmend an. Als die Mutter unsere Ablehnung spürt, weint sie bittere Tränen. Eine schwierige Situation. Natürlich braucht – gemessen an unserem Standard – jede zweite Familie finanzielle Unterstützung, wir können uns jedoch nicht um alle kümmern, sondern müssen sehen, dass die Ärmsten Hilfe bekommen.

Der nächste Tag beginnt mit einer vermeintlichen Enttäuschung. In Tam Ky, einem kleinen Ort südlich von Hoi Anh, holt uns ein Mopedfahrer ab, um uns den Weg zu einem Baby zu zeigen, dessen Operation wir bereits bezahlt hatten. Das Haus ist gerade zur Straße hin erweitert worden und hier, in diesem Raum, steht ein großer nagelneuer Backofen. War da wirklich Hilfe in Not angesagt? Als die Eltern im Juli erfuhren, dass wir sie mit der Operation unterstützen würden, hatten sie das Geld, das sie von Freunden und Verwandten geschenkt bekamen, in diesen kleinen Anbau und den Backofen gesteckt. Seitdem muss sich der Vater nicht mehr als Hilfsarbeiter plagen, sondern er kann seinem Beruf nachgehen und seine Brötchen selbst verdienen. Jeden Tag kommen so etwa 5 bis 8 Euro für die Familie zusammen und die Zukunft scheint gesichert.

Die Nachuntersuchungen der Herzoperation haben ein positives Bild ergeben. Strahlend wird das Baby von Mutter zu Vater zu großer Schwester gereicht und Hannah, die unser Team begleitet, flüstert herüber: Spürt ihr, wie viel Liebe hier im Raum ist! Ja, wir spüren es alle und sind mit der Familie beschenkt. Das 11jährige Mädchen begleitet uns fröhlich zum Bus und lässt sich lachend mit den beiden Kuscheltieren fotografieren. Glück gehabt!

Ein langer Weg bringt uns tiefer in das Gebirge, dorthin, wo viele Minderheiten leben. Die Straße steigt steiler an und endlich kommt der Abzweig zu dem gesuchten Dorf. Doch schon bald geht es wirklich nicht mehr weiter. Große Schlaglöcher im staubigen Boden, ausgewaschene Seitenbegrenzung und eine immer enger werdende Fahrbahn lassen die Bedenken größer werden. Zum Schluss streikt auch unser Fahrer, denn diesen Hang möchte er nicht herunterfallen. Also lassen wir Familie Ho an die große Straße kommen, wo wir uns in einem kleinen Geschäft ein wenig ausruhen.

Ein junger Mann bringt uns mit dem Moped seine Schwester und deren Kind vorbei. Die Mutter ist eine zierliche Frau und der kleine Junge sieht ebenfalls unterernährt und schwach aus. Dabei soll Yen Ny schon vier Jahre alt sein! Frau Ho war vor einem halben Jahr die beschwerliche Reise nach Hue alleine angetreten und kam müde und erschöpft mit dem Kind im Tragetuch in das Krankenhaus, wo ihr Thuan begegnete und die Bezahlung der Operation organisieren konnte.

Sie ist 38, hat noch zwei weitere Töchter, 13 und 8, die eifrig zur Schule gehen. Das Geld, das der Vater als Landwirtschaftshelfer verdient, reicht kaum für die Ernährung aus, das Schulgeld wird aber in jedem Falle bezahlt. Zwischen ein paar Lastwagen, welche die steile Straße donnernd nutzen, kommt eine Kindergruppe den Berg hochgelaufen. Stolz ruft die Mutter ihre große Tochter herbei. Da steht sie vor uns mit ihrer Schuluniform. Zwar etwas dünn, aber gepflegt und wach sieht sie aus, obwohl sie schon so viel gelaufen ist nach einem langen Tag in der Schule. Morgens geht es 8 Kilometer den Berg herunter und nachmittags geht es ihn 8 Kilometer hinauf, zunächst am Rande der Lasterstraße, dann durch wunderschöne Landschaft aber auf staubigen Wegen bis in das Dorf.

Die Frau bedankt sich noch einmal bei allen für die Übernahme der Operation. Thuan erklärt ihr, dass wir für eines ihrer Mädchen eine Patenschaft übernehmen und wie sie demnächst an das monatliche Geld kommen wird. Sie kann es kaum glauben, wird sich aber auf unsere Hilfe verlassen können. Nochmal: Das Glück auf unserer Seite ist genauso groß! Der Weg in die Berge wird immer beschwerlicher. Hier in den Wäldern leben Affen und Schlangen, aber es gibt auch Dörfer. Zweimal hört der Weg im Nichts auf, und mehrmals fragen wir Waldarbeiter nach unserer gesuchten Adresse. Um 18 Uhr ist es schließlich dunkel. Ein Mopedfahrer bringt uns über viele Nebenstraßen und Wege zu unserer gesuchten Familie. Wir müssen das Auto am Dorfrand stehen lassen, denn durch diese Schlaglöcher und über solche Steilstrecken schafft es der kleine Bus nicht. Wie gerne würde ich hier am Tage mehr sehen! So weisen uns nur die kleinen Feuer vor den Häusern den Weg durch die Dunkelheit. Hinter uns versammeln sich immer mehr Dorfbewohner, die schließlich plaudernd und lachend vor dem Haus der Familie Dinh stehen bleiben, die wir so lange schon suchen.

Es gibt keine Tür und kein Fenster, nur zwei entsprechende Öffnungen in der Wand. Innen besteht das kleine Gebäude aus zwei Zimmern. Das vordere hat keine Möbel, bis auf einen kleinen Plastiktisch, dem ein großes Stück fehlt. Das hintere Zimmer hat ein Brett zum Schlafen und ein offenes Feuer, dessen Rauch zur Hausöffnung nach vorne abzieht. Ich komme mir vor wie in einer Räucherkammer, und hier schlafen vier Menschen!

Der 16jährige Van Son ist schon lange herzkrank, konnte nie zur Schule gehen. Er hatte sich mehrfach in Hue vorgestellt, wurde aber aufgrund einer fehlenden Finanzierung abgelehnt, bis er Thuan traf. Schließlich wurde die Operation mit den Spenden der Friedenskinder durchgeführt. Seitdem geht es ihm deutlich besser. Im grellen Licht der einzigen Glühbirne erkennen wir seine Familie im Rauch: Die geistig beeinträchtigte Mutter, die große Schwester und den Vater, der hier im Dorf das Hüten der Kühe übernimmt. Thuan erklärt, wie wichtig die Nachuntersuchung ist und dass der Junge einen Termin in Hue bekommt. Für diese Reise geben wir gerne ein wenig Geld. Das wird er brauchen. Zum Abschied macht Hai noch ein paar Witze mit den Dorfbewohnern. Die lachen herzlich, klopfen uns auf die Schultern und wünschen uns einen guten Heimweg. Ich bin in einer anderen Welt und ich bin glücklich.

Der nächste Tag beginnt mit Komfort in einem schönen Hotel am Fluss in Quang Ngai. Heute haben wir einen Termin im Krankenhaus, wo ein Team aus Hue, 2 Ärztinnen und 5 Schwestern und Pfleger drei Tage lang kostenlose Untersuchungen durchführen. Nein, zum Mittagessen kann sich niemand einladen lassen. Man arbeitet ohne Pause, hat aber Zeit für ein Gespräch. Wir merken, wie das Netzwerk hier funktioniert und wie gut Thuan mit Ärzten und Patienten zurechtkommt. Nebenbei schreibt sie die Adresse einer Mutter auf, die ihre beiden kleinen Kinder kaum noch versorgen kann, da sie selbst herzkrank ist und dringend operiert werden müsste.

Da strahlt mich ein kleines Mädchen an, winkt herüber auf dem Arm seiner Mutter. Die ganze Familie war mit in das Krankenhaus gekommen um Beistand zu leisten, wenn der Kleinen ein Geschwür unter dem Arm entfernt wird. Tapfer war sie, und jetzt lacht sie wieder. Natürlich bekommt sie die schönste kleine Puppe, die Thuan noch in ihrem Rucksack trägt. Alle freuen sich über eine kleine Begegnung am Rande.

Schließlich treffen wir einen freundlichen Mann, der mit seinem Moped den weiten Weg durch die Berge auf sich genommen hat, um mit uns in Kontakt zu kommen. Er ist Leiter dreier Grundschulen auf dem Hochland, in denen er besonders arme Kinder unterrichtet, manche davon mit Herzfehlern. Er wird uns diesen Tag begleiten. Die Adressen werden ausgetauscht. Ganz sicher wird es hier weiteren Kontakt geben, denn selbst an sauberem Wasser fehlt es in seinen Schulen.

Eine weitere Station bringt uns Familie Dinh näher, der wir leider nicht wirklich helfen können. Das 4jährige Mädchen Thi Thu hat das Down-Syndrom und eine schwere Lungenkrankheit. Die notwendige Herzoperation würde es laut Aussagen der Ärzte in Saigon und Hue nicht überleben. So versuchen die Eltern, ihrer Tochter wenigstens jetzt ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Immer muss der Fernseher laufen, denn nur dann hat das Mädchen gute Laune. Es singt und tanzt und fühlt sich sichtlich wohl. Wird der Apparat ausgeschaltet, fängt die Kleine zu schreien und zu weinen an und lässt sich nicht mehr beruhigen.

Selbstverständlich braucht das Kind eine Vollzeitbetreuung, denn eine Vorschule gibt es nicht. So verdienen der Vater und die große Schwester den Familienunterhalt gemeinsam, indem sie in einem Sägewerk die Rinde von Baumstämmen schälen. Beide erhalten für diese Arbeit etwa 5 Euro pro Tag, müssen aber 2 Stunden zur Arbeit fahren. Wir bringen mit unseren Kuscheltieren ein wenig Abwechslung in den Alltag und bekommen fröhliche Luftküsse zum Abschied.

Auch der nächste Tag beginnt mit Traurigkeit. In einer idyllischen Landschaft, auf einer von Bergketten umgeben Ebene, wohnt unser 17jähriges Patenkind mit Vater und Großmutter in einem der besseren Häuser. Der Vater züchtet Enten und hat ein kleines Reisfeld. In den letzten Jahren gab es jedoch immer wieder Missernten. Der Ertrag reichte nicht einmal zur eigenen Versorgung aus. Außerdem sind eine große Zahl Enten an einer Vogelkrankheit gestorben, so dass die Mutter 80 km entfernt für einen anderen Züchter dessen Enten hütet.

Der Junge sitzt mit traurigem Gesicht gebeugt auf seinem Stuhl und redet kaum. Er streichelt den Hund und schaut scheu und beinahe ängstlich nur gelegentlich auf. Hai fragt nach und erfährt, dass es ihm nach der Operation zwar besser geht, er aber die Schule trotz aller Anstrengungen nicht schaffen wird. So glaubt er nun, dass wir die Zahlungen einstellen und er keine Zukunft mehr hat. Hai kann ihn trösten, ihm Mut zusprechen. Wir werden unsere Patenschaft nicht kündigen, solange er sich weiter um eine Ausbildung bemüht. Schwere Arbeiten wird er nie verrichten können, jedoch besteht durchaus Hoffnung, einen Beruf zu erlernen. Thuan wird weiter am Ball bleiben.

Auch zum nächsten Besuch kommen wir mit unserem Bus nur langsam voran und müssen die letzten Meter zu Fuß gehen. Eine alte Frau winkt herüber, ein paar Wasserbüffel stehen auf der Weide und ein Hund begrüßt uns wedelnd. Bald stehen wir vor einem kleinen grauen Haus, wo wir mit großer Freundlichkeit erwartet werden.

Die Familie arbeitet auf dem 3000qm großen Grundstück, erntet ein paar Kokosnüsse, ein wenig Reis und Gemüse und hat einige Hühner zum Eigenbedarf. Davon kann das Ehepaar mit der Großmutter und den drei Kindern natürlich nicht leben, so dass der Vater als Maurer hinzu verdienen muss. Wir sind beeindruckt von der Fröhlichkeit und von der Offenheit all dieser Menschen.

Die Mutter stillt den über unseren Verein operierten Ngoc Khang am Tisch, während wir die frische Kokosmilch bekommen. Eine Nachbarin findet sich wie selbstverständlich ein und legt sich im Zimmer in die Hängematte. Die Kinder suchen sich Tiere aus, ein Schwein mit großen Augen, den Teddybären und das Glitzerpferd. Kein Neid, kein Zanken, sondern Lachen und Fröhlichkeit. Auch hier spüren wir die uneingeschränkte Verbundenheit in jedem Winkel. Zum Familienfoto zieht sich die Oma noch ihre Schlappen und die Jacke an, und dann strahlt sie über das ganze Gesicht. Thuan hält den Kleinen auf dem Arm und verabschiedet sich. Da beginnt die größere Schwester zu weinen. Nein, wir nehmen ihr den Bruder nicht weg! Sie ist nur schwer zu beruhigen.

Alle bringen uns noch zum Bus, winken uns fröhlich und dankbar hinterher, denn die Operation war ein voller Erfolg. So viel Entgegenkommen lässt uns über eine weitere Patenschaft nachdenken. Bei der nächsten Nachuntersuchung wird Thuan den Kontakt zu Familie Tran in Binh Dinh ausbauen.

Der letzte Besuch unserer Reise bringt uns zu einem gepflegten Haus mit bunt blühendem Vorgarten. Als uns der ältere Herr hereinbittet und wir die Möbel sehen, kommt ein erster Eindruck auf: Fehlinvestition. Haben wir hier eine Herzoperation bezahlt, welche die Familie selbst hätte übernehmen können? Als der Mann dann aber zu erzählen beginnt, wissen wir, auch hier haben wir alles richtig entschieden.

Während des Krieges war er als Soldat für den Süden im Einsatz und musste die zahlreichen Flugzeuge der Amerikaner mit Agent Orange betanken. Wie die meisten in dieser Gegend, bekam auch seine Frau ein behindertes Kind, ein Mädchen, um das man sich lange kümmern musste. Dennoch heiratete die junge Frau vor etwa zwei Jahren und bekam bald einen Jungen, der an einem schweren Herzfehler litt.

Der Vater des Kindes arbeitet als Träger in der Nachbarstadt. Er leert Lastwagen und Container und verdient damit nicht genug, um die kleine Familie zu ernähren. So mussten die Großeltern einspringen und die Betreuung von Tochter und Enkel übernehmen. Vor allem die Nähe des Großvaters zu seinem Enkel wird uns sehr deutlich. Er war mit ihm nach Hue gereist und wartete über einen Monat auf die Möglichkeit einer Operation. Gut, dass wir auch hier helfen konnten. Weitere finanzielle Unterstützung ist nicht notwendig. So schenken wir dem Jungen einen kleinen Teddybären und freuen uns, dass er jetzt zum ersten Mal lacht.

Auf unserem Rückflug nach Frankfurt haben wir tiefe Eindrücke und Erinnerungen an berührende Begegnungen im Gepäck. So viele Menschen haben wir in ihrem Zuhause erlebt und dabei gesehen, wie wertvoll unsere Arbeit ist. Nur vereinzelt sind wir zu dem Entschluss gekommen, finanzielle Unterstützung abzulehnen. Wir sind dankbar, so zu leben und helfen zu können. Wir sind dankbar für jede Spende, jede Patenschaft und jede Unterstützung. Welch ein Glück!

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